Dieser Vergleich ist ein Fahrplan für die Software-Auswahl: Welcher der acht relevanten Anbieter passt zu Ihrer Unternehmensgröße, zu Ihrer HR-Systemlandschaft und zum deutschen Arbeitsrecht?
Warum überhaupt ein Vergleich? Die acht Anbieter unterscheiden sich stark: PayAnalytics ist EU-nativ, Syndio kommt aus den USA, gradar ist ein deutsches Jobbewertungs-System, beqom eine Total-Compensation-Plattform. Eine falsche Wahl kostet bei Enterprise-Größen schnell sechsstellig — und zieht einen Wechsel nach 2–3 Jahren nach sich.
Was diese Seite bietet: Eine Feature-Matrix über alle acht Anbieter, eine Entscheidungsmatrix nach Unternehmensgröße mit typischen Jahreskosten, eine Tabelle zur Richtlinien-Abdeckung und Detailprofile pro Anbieter. Lesezeit: ca. 8 Minuten.
- Sie eine Shortlist mit 2–3 Anbietern erstellen müssen
- Ihr Unternehmen zwischen 100 und 10.000+ Mitarbeitenden hat
- Sie wissen wollen, welche Lösung deutsche Tarifstrukturen abbildet
- Sie das Jahresbudget für Pay Equity Software grob einschätzen müssen
Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie (2023/970) erzwingt den Einsatz spezialisierter Software für Entgeltanalysen, Berichterstattung und laufendes Monitoring. Der Markt für Pay Equity Software ist in den letzten zwei Jahren erheblich gewachsen — von spezialisierten Startups bis zu Modulen großer HR-Suiten. Dieser Vergleich ordnet die relevantesten Anbieter nach Funktionen, Zielgruppe und Richtlinienabdeckung ein.
Alle Anbieter müssen mindestens drei Kernfunktionen abdecken: statistische Entgeltanalyse, Jobarchitektur/Vergleichsgruppen und Berichtsfunktionen
Bewertung basiert auf öffentlich verfügbaren Informationen, Herstellerangaben und Marktanalysen
Keine Affiliate-Links, keine gesponserten Platzierungen
Stand: April 2026
Feature-Vergleich: Kernfunktionen
| Anbieter | Gap-Analyse | Jobarchitektur | Reporting | Simulation | Monitoring | HRIS-Integration |
|---|---|---|---|---|---|---|
| PayAnalytics | Regression, multivariat | Eigenes Modul | EU-Richtlinie, IS, UK | Ja | Echtzeit-Dashboard | Workday, SAP, API |
| Syndio | Regression, intersektional | Opportunity-Analyse | US, EU (in Entwicklung) | Ja | Continuous Monitoring | Workday, ADP, Oracle |
| Gapsquare (XpertHR) | Statistisch, UK-fokussiert | Job-Familien | UK GPG, EU-Richtlinie | Eingeschränkt | Dashboard | CSV, API |
| beqom | In Comp-Modul integriert | Comp-Strukturen | EU, länderspezifisch | Ja (Total Comp) | Dashboard | SAP, Workday, Oracle |
| Figures | Benchmarking + Gap | Leveling-Framework | FR Egapro, EU | Comp-Planung | Ja | Personio, BambooHR, API |
| gradar | Analytische Stellenbewertung | Eigenes System (DE) | DE-fokussiert | Nein | Eingeschränkt | CSV, API |
| Payscale | Regression + Marktdaten | Job-Matching | US, UK, EU (Basis) | Ja | Dashboard | Workday, ADP, API |
| Comp-n-Ben | DACH-spezifisch | Tarifstrukturen | DE, AT, CH | Eingeschränkt | Basis | DATEV, SAP, Personio |
Entscheidungsmatrix nach Unternehmensgröße
| Unternehmensgröße | Empfohlene Kategorie | Passende Anbieter | Typische Kosten/Jahr |
|---|---|---|---|
| 100–500 MA | Spezialisierte SaaS-Lösung | PayAnalytics, Figures, gradar, Comp-n-Ben | 15.000–35.000 EUR |
| 500–2.000 MA | Mid-Market Pay Equity | PayAnalytics, Syndio, Gapsquare, Payscale | 35.000–80.000 EUR |
| 2.000–10.000 MA | Enterprise Pay Equity | Syndio, beqom, Payscale, PayAnalytics | 80.000–200.000 EUR |
| 10.000+ MA | Enterprise-Suite mit Pay-Equity-Modul | beqom, Syndio, SAP SuccessFactors (Partner) | 200.000+ EUR |
Abdeckung der EU-Richtlinienanforderungen
Die folgende Tabelle zeigt, welche spezifischen Anforderungen der Richtlinie 2023/970 die einzelnen Anbieter abdecken. Die Bewertung basiert auf öffentlich verfügbaren Produktinformationen und kann sich mit Updates ändern.
| Anforderung (Richtlinie 2023/970) | PayAnalytics | Syndio | Gapsquare | beqom | Figures | gradar | Payscale | Comp-n-Ben |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Gender Pay Gap Bericht (Art. 9) | Ja | Teilweise | Ja | Ja | Ja | Nein | Teilweise | Ja |
| Gleichwertige Arbeit / Vergleichsgruppen (Art. 4) | Ja | Ja | Ja | Ja | Ja | Ja | Ja | Teilweise |
| 5%-Schwelle / Joint Pay Assessment (Art. 10) | Ja | Ja | Teilweise | Ja | Teilweise | Nein | Teilweise | Teilweise |
| Auskunftsrecht-Workflow (Art. 7) | Ja | Nein | Nein | Ja | Nein | Nein | Nein | Teilweise |
| DSGVO-konforme Verarbeitung in EU | Ja (IS/EU) | US-basiert | Ja (UK/EU) | Ja (CH/EU) | Ja (FR/EU) | Ja (DE) | US-basiert | Ja (DE) |
| Gehaltstransparenz in Stellenausschreibungen (Art. 5) | Teilweise | Nein | Nein | Ja | Ja | Nein | Ja | Nein |
Anbieter im Detail
PayAnalytics (Reykjavik, Island) gilt als der am stärksten auf die EU-Richtlinie ausgerichtete Spezialist. Das Unternehmen wurde 2017 gegründet und fokussiert sich ausschließlich auf Pay Equity. Die Software bietet multivariate Regressionsanalysen, ein eigenes Jobarchitektur-Modul und Berichtsfunktionen für mehrere EU-Länder. Stärke: EU-Fokus, DSGVO-konform, enge Anbindung an die isländische und EU-Gesetzgebung. Schwäche: kleineres Ökosystem als US-Anbieter.
Syndio (Seattle, USA) ist der größte spezialisierte Pay-Equity-Anbieter weltweit. Die Plattform kombiniert Pay-Gap-Analyse mit Opportunity-Analysen (Beförderungen, Einstellungen) und intersektionaler Analyse. Stärke: umfassende Analytik, grosse Referenzkunden. Schwäche: US-Fokus, EU-Reporting-Funktionen noch im Aufbau, Datenverarbeitung primär in den USA.
Gapsquare (jetzt Teil von XpertHR/Visier) wurde in Großbritannien entwickelt und ist dort Marktführer für Gender Pay Gap Reporting. Die EU-Richtlinienfunktionen werden aktuell ausgebaut. Stärke: bewährte UK-Reporting-Engine. Schwäche: EU-spezifische Funktionen noch nicht vollständig.
beqom (Nyon, Schweiz) bietet eine umfassende Total-Compensation-Plattform, in die Pay-Equity-Analysen integriert sind. Die Lösung eignet sich besonders für grosse Unternehmen, die Pay Equity als Teil ihrer gesamten Vergütungsstrategie betrachten. Stärke: ganzheitlicher Ansatz, EU-Datenhaltung. Schwäche: hohe Komplexität und Kosten.